Teun Hocks, Courtesy Galerie Patricia Dorfmann, Paris

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19. - 27. JULI 2008
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„Tanz der Leidenschaften"

Prachtvoll ausgestattetes barockes Tanz- und Maskenspiel

Aufführung am Dienstag, 22. Juli, 20.00 Uhr

Vom Tanz der Leidenschaften
Man mag sich die Leidenschaften als Götter vorstellen, die in menschlicher Maske ihr Unwesen treiben und in wilder Manier sich aneinander messen. Was sind Max, Kaspar, Agathe oder Ännchen anderes als Spielfiguren unheimlicher Götter, die ganz nach eigenen Gutdünken ein Spiel namens Verhängnis oder einfach nur Schicksal miteinander austragen. Eine bunte comedia divina zum Amüsement eines auserlesenen Publikums, das von seinen Logen in sicherem Abstand den magischen Verstrickungen Beifall zollt.

Hintergrund
Der englische Hof der ersten Stuartkönige war zu Beginn des 17. Jahrhunderts ein Zentrum der höfischen Feste und des Theaters. Schon zu Zeiten der großen Elisabeth waren die Feste bestimmt von dem Zusammenspiel von Musik, Tanz und Gaukelei, aber am Hof ihres Nachfolgers Jakob I. Stuart entwickelte sich nach italienischen und französischen Vorbildern eine spezielle Theaterkultur, die den Adel zusammen mit professionellen Schauspielern und Musikern vereinte . Die Form der Aexculap„Courtmasque“ spiegelte den Drang zu einem Gesamtkunstwerke im Sinne einer Vereinigung aller Künste wieder. Der Hof nahm hieran nicht nur als Betrachter Anteil, sondern produzierte sich vor allem tänzerisch in mythologischen Verkleidungen auf der Bühne. Begleitet wurden die Tänzer von Sängern und Musikern der königlichen Kapelle, die am Hofe Jakobs luxuriös mit Personal und Möglichkeiten ausgestattet war. Die Kompositionen stammten aus der Feder der berühmtesten englischen Komponisten, die Bühnentexte von den Großen Dramatikern der Zeit, wie Shakespeare, Marlowe und Dryden. Die Architekten und Maler des Hofes, allen voran Inigo Jones, entwarfen die Dekorationen, Maschinen und Kostüme, die das Bild endgültig perfekt machten. So entstand eine Theaterform, die sich gegen die aufkommende Oper im Festlandeuropa bis zum Ende des Jahrhunderts behauptete und den typischen Geschmack und die Eigenheit der englischen Kultur ausdrückte.
Wie erwähnt war der Tanz eine der wichtigsten Komponenten der Masque. Durch die perfekten Möglichkeiten angeregt, die sich in der königlichen Kapelle boten, komponierten die Hofmusiker für vielfältig instrumentierte Ensembles auch Tänze. So finden sich zahlreich Suiten- und Bühnentanzkompositionen für Consort- und Broken Consortbesetzungen.
Dieser Schatz an außergewöhnlicher Musik brachten Niels Badenhop und Lorenz Duftschmid zu der Idee eines Projekts mit getanzten Consortdances, in dem Suiten- und Bühnentänze vom Beginn des 17. Jahrhunderts nach rekonstruierten Choreographien einstudiert werden und den Tanzstil jener Zeit wiederbeleben sollen. Gerade der Beginn des 17. Jahrhunderts ist im Bereich des historischen Tanzes ein sehr interessantes, selten bearbeitetes Gebiet, da sich hier der Umbruch zwischen dem italienisch/französischen Renaissancestil und dem hochbarocken Tanz vollzog. So werden die Choreographien sowohl Anklänge der Arbeauschule des 16. Jahrhunderts zeigen, aber auch schon auf den Playfordstil von 1651 verweisen. Die von Lorenz Duftschmid von Holborne und Brade ausgewählten Tänze tragen so sprechende Namen, wie „Pavan Infernum and Paradizo“, „Türkische Intrada“, „Der Hexen Tantz“ oder „Die duftenden Violen“.

Tanzrekonstruktion unter Verwendung hist. Quellen
Texte unter Verwendung von zeitgenössischen Sonetten und Bühnentexten von Phillip Marlowe und William Shakespeare
Kostüme nach originalen Bildvorlagen von Hofkostümen von 1630 entstanden, die Bühnenkostüme teilweise auch nach Entwürfen von Inigo Jones, dem Ausstattungsgenie im England des beginnenden 17. Jahrhunderts.
Niels Badenhop
Musikalisches Konzept unter Verwendung von Kompositionen von Anthony Holborne, William Brade, William Byrd und Henry Purcell Lorenz Duftschmid
Licht Nick Pirchtner
Tanz Tanzensemble des Instituts für Alte Musik (Leitung: Niels Badenhop)
Instrumentalensemble „The Spirit of Gambo“
Musikalische Leitung Lorenz Duftschmid

Ausgewählte Kurzbiografien
Niels Badenhop
Niels Badenhopstudierte Theater- und Musikwissenschaft in Berlin, zudem klassischen Tanz bei Vladimir Gelvan und Gesang bei Andreas Wernicke und Giovanni Anaya. In Meisterkursen, u. a. bei Stephen Stubbs und Emma Kirkby spezialisierte er sich auf das Repertoire der Renaissance und des Barock. Er trainierte Barocktanz und barocke Bühnengestik bei Ingo Günther und Jürgen Schrape. Niels Badenhop lebt als Sänger und Tänzer in Berlin. Er tritt in Konzerten und Oratorien und als Solist in Opern auf. Er ist Mitbegründer des Kammerensembles Celeste Sirene mit dem er im In- und Ausland als Cembalist und Sänger konzertiert. Mit dem von ihm gegründeten Profiensemble für Barocktanz „Ballet Baroque“ trat er bei internationalen Festivals auf, u. a. in Bayreuth und Varasdin. Als Dozent für Barocktanz war er u. a. tätig an der Akademie für Tonkunst in Darmstadt, an den Hochschulen für Musik in Frankfurt am Main und Dresden, sowie bei diversen Festivals für Alte Musik. Seine erste größere Regiearbeit war 1998 das Hassepasticcio "IL Trionfo della musa" zur 250-Jahr-Feier des Markgräflichen Opernhauses Bayreuth. Es folgten Inszenierungen im In- und Ausland, u.a. Purcell's "Dido and Aeneas" 2002 am Königlichen Opernhaus Cetinje/Montenegro, Telemanns "Pimpinone" 2003 beim Barockfestival in Varasdin, Charpentiers "Orphée" bei den Festivals in Hannover und Gotha 2004. Zudem arbeitet Niels Badenhop für verschiedene Ensembles als Kostümbildner mit dem Schwerpunkt historische Bühnengarderobe. Seit 2006 ist er Dozent für Barocktanz am Institut für Alte Musik der Trossinger Hochschule.

Lorenz Duftschmid
Lorenz Duftschmidhatte schon sehr früh die Möglichkeit, von den großen Meistern der Gambe Unterricht zu erhalten. Bereits während seiner Studienzeit an der Schola Cantorum Basel beo Jordi Savall stand der Künstler mit diesen gemeinsam auf den wichtigsten Bühnen dieser Welt. Dabei war er stets bestrebt, seiner Linie treu zu bleiben: Nur selbst Erfahrenes und Erfühltes kann in die persönliche künstlerische Arbeit Eingang finden.
Im Alter von 25 Jahren folgte Lorenz Duftschmid der Berufung an die Universität für Musik nach Graz und übernahm als musikalischer Leiter die Verantwortung für zwei florierende Festivals, Internationale Woche der Alten Musik, Krieglach, sowie Internationale Kammermusiktage für Alte Musik, Raumberg. Lorenz Duftschmid musiziert auf originalen Instrumenten von Gasparo da Salo (ca. 1580), Jakobus Stainer (Absam-Tirol, 1679), Nicolas Bertrand (Paris,1699) und Antony Stephan Posch (Wien, 1717) und vereint gekonnt als Solist, Ensembleleiter und Dirigent in seinen Auftritten Musik, Forschung, Faszination, Originalklang und allgemeine Kulturanliegen von heute.
Künstlerischen Austausch - eine der Maximen des Musikers Lorenz Duftschmid - pflegte er darüber hinaus 1989 – 2005 im Rahmen seiner Gastprofessur für Viola da gamba und historische Aufführungspraxis an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz und seit 2003 an der Hochschule Trossingen sowie als musikalischer Leiter der Festivals von Krieglach und Raumberg. Auch in seinen Meisterkursen ist ihm die didaktisch engagierte Weitergabe seiner speziell nach alten Quellen auf modernstem technischen Stand entwickelten Spieltechnik historischer Streichinstrumente an den begabten Nachwuchs ein großes Anliegen.

Die Akteure:

Niels Badenhop
Lorenz Duftschmid

 

 

Landesstiftung Baden-Württemberg EnBW KSKRottweil
Aesculap
swabo